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Wacholder

Wacholderbeeren galten schon im Altertum als antibakteriell wirkendes und harntreibendes Mittel. Hippokrates von Kos – der berühmte Arzt der Antike – wandte sie äußerlich bei Wunden und innerlich zur Beschleunigung der Geburt an. Viele Heilkundige späterer Zeiten lobten die Wacholder-Pflanze wegen ihres vielfältigen Talents. Sie soll gegen Husten, Leibschmerzen und Tierbisse geholfen haben.

Der deutsche Name „Wacholder“ besteht aus dem althochdeutschen wehdal, wachal (lebensfrisch, munter) und aus der (Baum, Strauch). Der lateinische Name iuni perus (früh gebärend) nimmt möglicherweise darauf Bezug, dass die jüngeren grünen Früchte schon erscheinen, während die alten schwarzen noch an den Zweigen hängen. Communis heißt gemein oder gewöhnlich. Wissenschaftlicher Name: Juniperus communis L.

Charakteristik

Der Gemeine Wacholder – auch Heide-Wacholder genannt – gehört zur Familie der Zypressengewächse und ist in Mitteleuropa in freier Natur weit verbreitet. Er wird bis zu 600 Jahre alt und wächst vor allem in Heidelandschaften und an Berghängen.

Blüte und Frucht: Die gelblichen Blüten hängen dreigliedrig in den Blattwinkeln der jüngsten Triebe. Die grünlichen Blüten sind eiförmig und bestehen aus drei Fruchtblättern. Wenn die Fruchtblätter reifen, bilden sie erbensgroße, kugelige, dunkelbraun-violette Scheinfrüchte – die Wacholderzapfen. Die Zapfen reifen zwei oder drei Jahre bis blaue (reife) und grüne (unreife) Beeren an derselben Pflanze erscheinen.  Die Samen sind hellbraun, länglich-dreikantig und haben eine harte Schale.
Blätter und Stängel: Die Pflanze wächst als Strauch oder Baum 2 bis 10 Meter hoch. Die Rinde ist anfangs glatt und gelbbraun, später wird sie schwarzgrau und rissig. Die nadelförmigen Blätter sind immergrün und werden ein bis zwei Zentimeter lang.
Besondere Merkmale: Die Beeren riechen würzig, schmecken zuerst würzig-süß, dann harzig-bitter.
Inhaltstoffe: Ätherisches Öl mit Pinenen und Terpenen, Catechingerbstoffe, Flavonoide, Biflavone und Inulin.

Wirkung und Anwendung

In der Volksmedizin vieler europäischer Länder spielt Wacholder eine große Rolle. Medizinisch verwendet werden das ätherische Wacholderöl, die reifen Beerenzapfen und die Beeren – frisch oder getrocknet. Wacholderbeeren kommen in der Medizin traditionell als harntreibendes Mittel bei Harnwegsinfektionen zum Einsatz, denn die Beeren wirken diuretisch. Im Handel findet man sie als Bestandteil vieler Teemischungen.  Das ätherische Öl steckt wegen seiner durchblutungsfördernden Eigenschaft auch in Salben und Badezusätzen, die bei rheumatischen Erkrankungen und Muskelverspannungen helfen sollen.

Das Wacholderbeeröl wird auch als Hauptbestandteil von vielen Spirituosen benötigt, zum Beispiel Gin. In der Küche dienen Wacholderbeeren als Gewürz für traditionelle Gerichte wie Sauerkraut und Wildfleisch.

Dosierung

Die Tagesdosis beträgt zwei bis maximal 10 Gramm getrocknete Wacholderbeeren, entsprechend 20 bis 100 Milligramm ätherischen Öls.
Wacholdertee: Ein Esslöffel zerdrückte Beeren pro Tasse mit kochenden Wasser aufgießen, zehn Minuten ziehen lassen und absieben.
Wacholderwein: 50 reife Beeren zerquetschen, in einen Liter Wein geben und eine Woche stehen lassen. Anschließend Beeren absieben.
Badezusatz: 30 Gramm Badekonzentrat mit ätherischem Öl pro Vollbad.

Nebenwirkungen

Nierenschädigende Eigenschaften von verarbeiteten Wacholderbeeren konnten widerlegt werden. Das reine ätherische Öl aus den vollreifen Beeren ist frei von nierenreizenden Stoffen. Daher treten bei bestimmungsgemäßem Gebrauch keine Nebenwirkungen auf.

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